06. Mai 2019 · Kommentare deaktiviert für Stolpersteine · Kategorien: Allgemein

Wenn Stolpern erwünscht ist Wer hektisch durch Parchims Straßen wandelt, nur noch kurz den Einkauf erledigt, ein Paket bei der Post aufgibt und danach noch dem Arzt einen Besuch abstattet, übersieht sie schnell, dabei müssten sie jedem eigentlich sofort ins Auge springen – Stolpersteine. Insgesamt 13 messingfarbende Steine sind in das Pflaster der Eldestadt eingelassen, im stillen Gedenken an die Vertreibung und Vernichtung von Juden, Sinti und Roma, politisch Verfolgten, Homosexuellen und Euthanasieopfern. In 24 Ländern finden sich über 70.000 Steine, davon 53.000 in 1265 Städten und Gemeinden in der Bundesrepublik Deutschland. Was 1992 als Projekt des Künstlers Gunter Demnig in Köln begann, hat Religionslehrerin Diana Schlüter-Beck 2019 mit der Klasse 7c des Friedrich-Franz-Gymnasiums neu aufgegriffen. Im Vorfeld setzte sich die Religionspädagogin intensiv mit der Thematik auseinander. Im Rahmen einer Fortbildung des Bildungsministeriums Mecklenburg-Vorpommerns besuchte sie in den Sommerferien über zwei Wochen Seminare an der bedeutenden israelischen Gedenkstätte Yad Vashem, welche es sich zur Aufgabe gemacht hat, an die nationalsozialistische Judenvernichtung zu erinnern und diese wissenschaftlich zu dokumentieren. Hieran schloss sich ein Besuch der Stadt Budapest an, wo die Synagoge und das Mahnmal für ermordete Juden am Ufer der Donau der Schwerpunkt waren. Im April 2019 hat Diana Schlüter-Beck in ihrer Funktion als Studienleiterin des Pädagogisch-Theologischen-Instituts der Nordkirche zudem eine Studienreise nach Krakau/Auschwitz organisiert und 20 Lehrkräfte für dieses Thema sensibilisiert. Vor dem Hintergrund dieses umfangreichen Fortbildungsprogramms erarbeitete sich die Religionslehrerin am FFG zusammen mit ihren Schülern der 7. Klasse das Judentum als Weltreligion und legte anschließend einen regionalen Schwerpunkt, indem die Ausstellung „Jüdisches Leben in Mecklenburg-Vorpommern“ in den Unterricht eingebunden wurde. In Teamarbeit legten die Schülerinnen und Schüler außerdem eigene Forschungsarbeiten an, wobei sie verschiedenen Fragen nachgingen. Wie gestaltete sich das Leben von Juden in Parchim? Was geschah mit der Synagoge? Was passierte mit dem jüdischen Friedhof? Welche Familien wohnten in Parchim und prägten das kulturelle und kaufmännische Leben der Stadt? Die Ergebnisse ihrer eigenen Forschung präsentierte die Klasse im April diesen Jahres unter anderem vor zwei Gästen des Heimatbundes e.V. In einer beeindruckenden Präsentation legten die Schülerinnen und Schüler die Bedeutung von Ausgrenzung, Verfolgung, Deportation sowie den Verlauf von Familienschicksalen dar. Die Informationen zu Parchims Stolpersteinen wandelten sich zu einem persönlichen Bild. Gunter Demnig als Schöpfer der Stolpersteine äußerte sich über sein Werk wie folgt: „Wer den Namen des Opfers lesen will, muss sich hinunter beugen. In diesem Moment verbeugt er sich vor ihm.“ Genau dieser Vorgang geschah eine Woche nach der Präsentation der Ergebnisse, bei der von Steffi Schröder durchgeführten Stadtführung, die die jüdische Geschichte Parchims sowie die Stolpersteine in den Mittelpunkt stellte. Die Siebtklässler haben es sich daraufhin zur Aufgabe gemacht, die Erinnerung daran lebendig zu halten und planen bereits die Reinigung der Stolpersteine, so dass zukünftig vielleicht mehr Menschen bei ihrem Bummel durch die Stadt einen kurzen Moment innehalten und die Steine bewusst wahrnehmen.

Autor: Max Zawadzki

Bild 1: Die Siebtklässler präsentieren ihre Ergebnisse in der Schule. (Diana Schlüter-Beck)

Bild 2: Steffi Schröder führt die Schüler des Friedrich-Franz-Gymnasiums durch die Stadt. (Diana Schlüter-Beck)

Kommentare geschlossen.