06. November 2017 · Kommentare deaktiviert für Zwei Blicke zurück, zwei Schritte vor – Das Friedrich-Franz-Gymnasium auf Projektfahrt in Belgien · Kategorien: Allgemein

Vom 19.10. bis 24.10.2017 war es wieder soweit. Die 41 Schülerinnen und Schüler des Friedrich-Franz-Gymnasiums fuhren unter der Leitung von Wilfried Lüders nach Lommel in Belgien. Die Projektfahrt stand ganz im Zeichen der Vergangenheitsbewältigung der deutschen Geschichte und der Zukunft auf dem Parkett der internationalen Zusammenarbeit. Was auf den ersten Blick widersprüchlich scheint entpuppte sich als lehrreiche, spaßige und interessante Bildungsreise.

Nach einer über achtstündigen Busfahrt am Donnerstag besuchten die Schüler am nächsten Tag die Partnerschule, das Agnetencollege in Peer. Den Parchimern wurde von der Schulleitung und den Schülern der Oberstufe ein herzlicher Empfang bereitet. In kleinen gemischten Gruppen aus belgischen und deutschen Schülern erkundeten sie die Altstadt von Peer, bestiegen den Kirchturm und besichtigten den komplett neu errichteten Schulcampus, welcher mit vielen technischen Raffinessen ausgestattet und in eine moderne Architektur eingebettet wurde. Der erste Schritt des internationalen Austausches im Rahmen der Projektfahrt war getan.

Tags darauf, am Samstag, blickte die Schülerschaft des Friedrich-Franz-Gymnasiums ein erstes Mal auf die deutsche Geschichte zurück. Im Rahmen einer bewegenden Zeremonie rezitierten Maria Kalinin und Michelle Hintze Antikriegsgedichte. Im Anschluss daran legten Hannes Neupauer und Leon Boenke Kränze auf den Gräbern von gefallenen Soldaten des Zweiten Weltkriegs nieder. Es folgte eine Schweigeminute. Nach dem zeremoniellen Akt widmeten sich die Schüler der Kriegsgräberpflege. Mit Grubbern und Rechen ging es daran, die Gräber von Unkraut und Laub zu befreien, um einen kleinen symbolischen Beitrag zur deutschen Erinnerungskultur zu leisten.

Nach einem kurzen Ausflug nach Antwerpen am Nachmittag berichtete am Abend Ursula Neumann auf ihre ganz eigene herzerwärmende Weise von ihrem Vater Werner Heinemann, der im Rahmen der Ardennenoffensive gefallen war und in Lommel seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Die Schüler nutzten die Gelegenheit, um Fragen zum persönlichen Schicksal zu stellen und drückten ihre Anteilnahme aus. Ursula Neumann hält seit 2005 den Kontakt zum Friedrich-Franz-Gymnasium und schickte regelmäßig Kränze nach Belgien. Seit 2012 reiste die Diestelowerin bereits fünf Mal zum Soldatenfriedhof, mal zusammen mit dem Parchimer Gymnasium, mal ganz privat.

Den zweiten Blick auf die deutsche Vergangenheit warfen die Jugendlichen aus Parchim am Sonntagvormittag. Sie besuchten die nationale Gedenkstätte Fort Breendonk, welche die Nationalsozialisten von September 1940 bis September 1944 zum Konzentrationslager umfunktionierten. In zwei Gruppen aufgeteilt erfuhren die Schüler, wie das Lager organisiert war und welches Unrecht und Leid die Insassen erleiden mussten.

Am nächsten Tag wendete sich die Parchimer Delegation der Gegenwart bzw. Zukunft zu und machte im Sinne des internationalen Austausches den zweiten Schritt nach vorn. Auf dem Programm stand ein Besuch des Parlamentes der Europäischen Union in Brüssel. Nach einem informativen Vortrag durften die Schüler den Plenarsaal begutachten. Im Anschluss hatten sie außerdem Zeit, in Eigenregie die Hauptstadt Belgiens zu erkunden.

Die Projektfahrt hat gezeigt, dass die Verbindung von Vergangenheit und Zukunft kein Widerspruch sein muss, sondern Hand in Hand gehen kann. Besonderer Dank gebührt den Förderern dieser Reise: dem Volksbund deutscher Kriegsgräberfürsorge e. V., der Stadt Parchim, dem Förderverein des Friedrich-Franz-Gymnasiums, dem Landkreis Ludwigslust-Parchim „Demokratie leben“ sowie dem Land Mecklenburg-Vorpommern, vertreten durch das Ministerium für Inneres und Europa.

 

Autor: Max Zawadzki

 

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